Die Selbstheilungskräfte des Marktes
… scheinen momentan Pause zu haben. Ihre eifrigen Verfechter bedienen diese Vokabel jetzt nicht mehr. Die Gefahr, daß ein eiskalter Wind in das eigene Gesicht blasen könnte, ist einfach zu groß.
Die jetzt abgetauchten Selbstheilungsverfechter, in deren Augen der Staat nur Schaden anrichtet, wenn er (außer bei Fördermaßnahmen) in die Wirtschaft hineinredet, haben jetzt keine Scham, Staatsbeteiligungen für Unternehmen in Betracht zu ziehen. So schließt auch die thüringische stellvertretende Ministerpräsidentin eine Beteiligung bei Opel nicht aus, allerdings in einem Konstrukt aus Bund und Land. Immerhin geht es allein in Eisenach um 1900 Arbeitskräfte plus Zulieferer.
Mindestens zehnmal so viele Zeissianer waren es 1990, die der eiskalte Sanierer aus dem Ländle im Bunde mit der Landesregierung auf die Straße setzte. Kein Hahn hat nach denen gekräht. Heute beziehen die meisten von Ihnen eine Ostrente. Deshalb sollen aber die Opelarbeiter nicht dasselbe Schicksal erleiden. Davon haben die seinerzeit entlassenen Zeissianer auch nichts mehr. Um überhaupt einen Lösungsansatz zu finden, haben Die Republikaner als Erstes eine Abkopplung vom GM-Mutterschiff gefordert und haben dafür Schelte wegen einer „nationalistischen Betrachtungsweise“ eingefangen. Erfreulicherweise schließen sich jetzt auch andere dieser Forderung an.
Was bleibt, ist die Frage: „ Wo fängt Hilfe an, die immer auf Kosten der Allgemeinheit geht, und wo (bei welchem Betrieb) hört sie auf.?“ Das fragen sich bereits viele. Wohin könnte ein solcher Weg führen? Begeben wir uns auf einen verlogenen Weg zu einem diffusen Sozialismus, der keinem Unternehmen die Chance gibt, Pleite zu gehen?
Die Gesellschaft ist aber kein Labor, wo man bei einem Fehlschlag zur Ausgangslage unter veränderten Ausgangsbedingungen zurückkehren kann und das Experiment wieder neu startet. Die Alternative ist eine Marktwirtschaft mit allen Höhen und Tiefen, die auch, selbst wenn sie sozial ist, Firmenpleiten zulässt!
Heinz Schneider